Reise in die schottischen Highlands
(Mai / Juni 2001)


Die Reiseplanung

Was muß man nicht alles bedenken, wenn man eine längere Motorradtour plant.
Und als blutiger Anfänger, mit gerade einmal 12 TKM auf dem Tacho, ist man ja nun wirklich noch
kein alter Hase und dementsprechend unsicher.
Zunächst einmal muß das Moped zur Inspektion, das Gepäckvolumen erweitert werden und da ich mit meiner
lieben Frau unterwegs bin und wir uns gerne unterhalten, mußte eine Gegensprechanlage her.
Aber ob das alles unbedingt notwendig ist, muß wohl jeder für sich selbst entscheiden.
Diese Vorbereitungen brachten mich jedenfalls schon einmal in die richtige Reisestimmung und die Vorfreude
wurde immer größer.

Dann überlegten wir, wo wir buchen sollen. Da ich Mitglied im ADAC bin und mein Vater mir den Tipp gab,
daß man dort eine günstigere Fährverbindung bekommt, besuchten wir die ADAC - Geschäftsstelle in Hagen.
Die Beratung durch eine der Mitarbeiterinnen war Klasse. Die gute Frau gab sich jede erdenkliche Mühe unsere Wünsche
zu erfüllen und so buchten wir die Fährverbindung Rotterdam - Hull und zurück inkl. einem Ferienhaus für die zweite
Urlaubswoche beim ADAC.

Das Ferienhaus war übrigens eine gute Idee meiner Frau. So hatten wir eine feste Unterkunft und konnten
auch einmal ohne großes Gepäck durch die Lande touren. Außerdem kann man ja zu zweit nicht allzuviel Gepäck
mitnehmen und ist gezwungen unterwegs einen Waschtag einzulegen. So weit gingen also die Überlegungen meiner Frau.
Ich fand also die Idee gar nicht schlecht. Wie oben schon erwähnt, bin ich ja noch kein erfahrener Mopedfahrer
und konnte also auch nicht abschätzen, ob ich zwei Wochen Fahrerei an einem Streifen
überhaupt durchhalte. Wie sich später herausstellte, war dann auchdas Wetter genau in der Hüttenzeit, nicht so besonders
und ein warmes Bad nach einer Tagestour war dann immer genau das Richtige.


Preise für die Fährverbindung und das Ferienhaus
(Stand Mai 2001)

Die Fährverbindung in der einfachsten Doppelkabine inkl. Frühstück mit P&O North Sea Ferries = 696,40 DM (=356 EUR).
Das Frühstück ist übrigens beim ADAC schon im Fährpreis inbegriffen !

Das Ferienhaus in Duirinish, in der Nähe der Insel Skye, für eine Woche 1309 DM (=670 EUR)
Haus für maximal 4 Personen

Die Fährverbindung geht aber auch noch billiger, wenn man nur einen Liegesessel bucht. Allerdings ist dann an
Schlaf wohl nicht zu denken. Mit ca. 50 Personen in einem Raum und in einem unbequemen Sessel ?


Die Reise

Am Montag den 21.05.2001 ging es dann endlich los. Frühmorgens, wer kann schon schlafen wenn er so eine Reise vor
sich hat, fuhren wir los in Richtung Rotterdam. Die Autobahnfahrerei in Holland ist eine Quälerei. Alles flach und wenig
landschaftliche Abwechslung. Hier würde ich mir niemals ein Motorrad kaufen ! Aber dann endlich, natürlich viel zu früh, kamen
wir im Europoort - Hafen an. Unsere Fähre lag schon am Pier, aber wir durften ja noch nicht drauf. Die Warterei begann.
Um die Zeit zu überbrücken, fuhren wir in Holland noch einmal tanken und aßen Frikandeln - Spezial. Kennt wohl jeder
der schon einmal in Holland war. Gegen 15:30 Uhr ging es dann mit den Karten vom ADAC direkt zu den Fahrzeugschaltern.
Dort bekamen wir unsere Bordkarten auf denen die Kabinennummer und das Deck eingetragen waren.

Die Fähre Norsea Wir warten auf Einlaß in den Bauch der Fähre

Jetzt verbrachten wir die stundenlange Warterei eben mit Däumchen drehen und rauchten eine Zigarette nach der anderen.
Liebe P&O - Leute, stellt doch bitte für uns Mopedfahrer ein paar Bänke auf. Uns tat nach 3 Stunden auf dem harten Boden
der Hintern sehr weh ! Um ca. 17:00 Uhr ging es dann endlich ab in den Riesenbauch der Fähre. Ganz schön aufregend das Ganze.
Man wies uns einen Platz im Bug zu und nun konnte man zusehen wie man sein Moped mit ein paar Stricken, die dort bereitlagen,
festzurrte. Diese Aufgabe blieb einem selbst überlassen.
Das Fährpersonal kümmerte sich nicht weiter um uns. Hier hilft einem sehr ein Zurrgurt mit Haken am Ende. Solch einen Gurt habe
ich mir in Schottland für die Rückreise auf einem Flohmarkt auch gekauft. Man lernt ja dazu.

Die Fähre

Die Kabinen waren schnell gefunden. Mit Fahrstühlen fuhr man auf das angegebene Deck und Hinweisschilder mit
der Kabinennummer wiesen einem den Weg. Die Schlüssel fanden wir dann auch an einem Haken innerhalb dieser "Hundehütte".
Aber alles gut organisiert. Wir machten es uns dann in diesem "Riesenraum" erst einmal bequem. Nun konnte es eigentlich losgehen.
Bis jetzt hatte alles wunderbar geklappt.



Auf der Fähre und die ersten Kilometer im Linksverkehr

Auf dem Schiff gab es eine Menge zu sehen. Man konnte seine Zeit in den verschiedenen Restaurants und Bars verbringen,
oder aber draußen das Beladen und Auslaufen der Fähre beobachten. Ist schon ein tolles Gefühl wenn der Pott endlich ablegt.
Im Schiff kann man einkaufen gehen, ein oder auch zwei Bierchen trinken und ein Bühnenprogramm wird einem auch geboten.
Also Langeweile kam nicht auf. Es empfiehlt sich nur, schon ein paar Pfund in der Tasche zu haben. Denn am Besten kann
man nämlich hier mit englischen oder aber schottischen Pfund bezahlen.
Es geht zwar auch mit deutschen Scheinen, aber es wird zum ungünstigen Kurs in englischer Währung das Wechselgeld
getauscht. Irgendwann hatten wir dann genug gesehen und getrunken und haben uns in unsere Kajüte verdrückt.
Ich schlief auch sofort ein, da ich ja die Nacht vorher wenig geschlafen hatte. Frühmorgens ging es dann ab zum waschen und
endlich gab es auch Frühstück. Der Frühstückspreis ist übrigens, wie bereits erwähnt, wenn man ADAC Mitglied ist und dort bucht,
schon inbegriffen ! Das Frühstücksbuffet an Bord ist reichhaltig und so ging es gut gestärkt in den Bauch der Fähre
um das Mopped wieder von seinen Stricken zu befreien. Ziemlich pünktlich durften wir dann in Hull von Bord fahren.
Die Paßkontrollen gingen auch problemlos vonstatten und nun kamen die ersten Kilometer im britischen Linksverkehr...
Aber, als so schlimm habe ich das eigentlich gar nicht empfunden. Ich hatte mir zwar extra einen Hinweis auf den Tacho geklebt,
aber wie gesagt, so schlimm ist das Linksfahren gar nicht. In den ganzen 2 Wochen auf der Insel wurden wir auch nur 2 oder 3 mal
auf der falschen Seite wach. Und haben es Gott sei Dank immer noch früh genug bemerkt, bevor uns einer auf die Hörner nehmen
konnte. Gewundert habe ich mich in Hull nur über die merkwürdigen Geschwindigkeitsbegrenzungsschilder.
Wer fährt schon mit 30 km/h durch eine Stadt ? Bis mir dann einfiel, daß die Angaben hier ja in Meilen sind....
Naja, der hupende LKW - Fahrer wird uns inzwischen verziehen haben. Also, 30 * 1,6 ~ 50 km/h.
Jetzt sah die Welt für alle hinter uns schon freundlicher aus.
Und das Wetter, einfach phantastisch ! Keine Spur vom britischen Regen oder Nebel. Wunderbarer Sonnenschein und um
die 18 Grad warm. Ich wünsche allen Moppedfahrern, die nach uns Schottland und England besuchen wollen, genau so ein Glück.


An der englischen Ostküste entlang, Richtung Edinburgh

Aufgrund dieses Wetters, ging es dann auch gleich ab zur englischen Ostküste. Richtung Bridlington. Eigentlich war in Liverpool
ein Besuch im Beatles Museum geplant. Aber bei 18 Grad Celsius ein Museumsbesuch ?
Und gut 70 km später sahen wir dann das erste Mal die Küste. Bei strahlendem Sonnenschein entlang der Ostküste fahren kann
ich wirklich nur empfehlen. Herrliche Strecken immer am Meer entlang. Wunderschöne Ortschaften und im Mai
überall blühende Landschaften. Einfach Klasse !!





Unsere Fahrt ging dann durch folgende Orte, immer bestrebt am Wasser zu bleiben :
Bridlington, Filey (sehr schöne Strandpromenade) Scarborough, Burniston, Robin Hood´s Bey
(Sackgasse, aber einen Abstecher wert), Whitby, Staithes, Saltburn, Redcar, Hartlepool, Peterlee, dann Autobahn bis Ashington
und die erste Nacht B&B (Bed & Breakfast) für 19 Pfund pro Person, verbrachten wir in Amble by the Sea.



Bed & Breakfast zu finden war um diese Jahreszeit noch absolut kein Problem. Die Preise schwankten so
um die 16 bis 25 Pfund pro Person. Meistens mit eigener Dusche und WC inkl. gutem englischen Frühstück.
Hinweisschilder findet man fast an jedem dritten Haus auf der Insel. Wir bevorzugten hinterher allerdings kleine Pensionen
bzw. Gästehäuser. Diese waren zwar etwas teurer, aber man fühlte sich nicht so sehr eingeengt wie in einem reinem Privathaus.
Leider war der Kurs für uns Deutsche sehr schlecht. Das Pfund stand im Mai 2001 bei ca. 3,3 zu 1.
Also mußte man für eine Nacht pro Person mit ca. 50 bis 70 DM (= 25,60 - 35,80 EUR) rechnen.
Je nachdem welchen Komfort man wählte.

Am nächsten Morgen ging es dann weiter an der Küste entlang :
Lesbury, dann ein Stück die Landstraße 1 hinauf bis Dunbar. Endlich erreichten wir dann auch unser eigentliches Reiseziel,
Schottland.



Die letzten paar Kilometer bis nach Edinburgh herein wurden zur Strapaze, da es immer wärmer und wärmer wurde.
Und in Edinburgh, unsere erste größere Stadt mit Linksverkehr, fühlte ich mich nicht sonderlich wohl. Aber irgendwann erreichten
wir dann den Parkplatz vor Edinburg-Castle und wurden von einem netten älteren Herren auf unseren Standplatz verwiesen.
Parkplatzgebühren spart man übrigens als Motorradfahrer.
Endlich raus aus den dicken Klamotten. Naßgeschwitzt ging es ab in die Burg. Dort angekommen hatten wir Mitleid mit
dem zu dick angezogene Wachpersonal unter Ihren Pelzmützen und diese wohl Mitleid mit uns in unserer dicken Motorradkluft....



Der Eintritt war frei, da wir uns in Deutschland beim ADAC
das Explorer Ticket für ca. 70 DM (= 35,80 EUR) pro Person gekauft hatten. Mit diesen Tickets kann man kostenlos viele
Schlösser in Schottland besuchen. Allerdings stellten wir später fest, daß wir uns diese Karten besser gespart hätten.
Wir haben auf unserer weiteren Fahrt keine Möglichkeit mehr gehabt sie zu gebrauchen, weil die meisten Sehenswürdigkeiten
die wir damit hätten besuchen können, nicht auf unserer Reiseroute, oder aber zu weit weg von der gemieteten Hütte lagen.
Pech gehabt !



In die Highlands und an allen schottischen "Löchern" vorbei

Für weitere Besichtigungen in Edinburgh war es an diesem Tag einfach zu heiß. Die Burg besichtigten wir deswegen im
Schnelldurchgang und beschlossen wieder in Richtung Ostküste weiterzufahren.
Nach einer Brücke über den Firth of Forth. Achtung, Kleingeld bereithalten, die Brückenbenutzung kostet, wenn ich mich richtig
erinnere, etwas Gebühr, ging es über Kirkcaldy nach Anstruther und in der Nähe des Ortes in ein Lokal zum Essen fassen.
Hier hatten wir das Glück einen netten deutschen Koch kennenzulernen, der uns für unsere weitere Fahrt eine Menge Tipps gab
und bei dem wir uns für seine Hilfe an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bedanken wollen. Das Essen war dann auch
besonders gut. Leider wissen wir den Namen des Lokales nicht mehr. Aber falls der nette Koch diese Zeilen einmal lesen sollte,
kann er uns ja eine Mail schicken. Wir werden das Lokal dann gerne hier weiterempfehlen. Das Essen war ausgezeichnet !

Die zweite Nacht verbrachten wir dann in dem kleinen Ort Pittenween, bei sehr netten älteren Herrschaften, in einem
wundervoll aufgemachten rosa Zimmer für nur 16 Pfund pro Person und Nacht. Wir hatten viel Spaß an dieser Einrichtung und
auch unsere Familie, mit der wir per SMS in Kontakt standen, hat mit uns herzlich darüber gelacht.

Rosa Träume

Unser Moped durfte in dieser Nacht sogar neben dem Wagen des Gastgebers in der Garage stehen. Wirklich
nette Menschen die Briten. Nach rosaroten Träumen ging es am nächsten Morgen nach dem obligatorischen englischen Frühstück
mit gebratenem Schinken, Spiegelei, Würstchen und Bohnen (die für ordentlichen Vorschub sorgten) weiter Richtung St. Andrew.
Hier liegt der älteste Golfplatz der Insel. Übrigens findet man Golfplätze an jeder Straßenecke. Ganz GB scheint Golf zu spielen...

Nun sollte es aber so schnell wie möglich ab in die Highland´s gehen. Die ersten Tage hatten wir ja nur an der Küste verbracht.
Also fuhren wir weiter Richtung Perth und ein Stück die A90 hinauf bis nach Pitlochry an unser erstes schottisches Loch. An diesem Loch,
dem Loch Tummel, kommt man an einen schönen Aussichtspunkt "Queen´s View" genannt, den wir besuchten.

Infostein Queens View Conny am Aussichtspunkt Queens View

Eine wirklich tolle Aussicht über dieses Gewässer. Sollte man mal gesehen haben. Hier trafen wir auch die ersten deutschen
Motorradfahrer. Nach einem kurzem Informationsaustausch ging es weiter am Loch Tummel vorbei in die ersten richtigen Berge.
So hatten wir uns Schottland vorgestellt. Einsame kurvenreiche Straßen rauf in die Highland´s und dann wieder runter.
Eine Streckenführung wie für Motorradfahrer gemacht. Einfach nur Klasse und kaum zu beschreiben.

Unterwegs Schneebedeckte Berge

Über den Drumochter Paß ging es weiter Richtung Laggan und hier bogen wir dann ab Richtung Cromra, am Loch Laggan
vorbei weiter nach Spean Bridge. Dieser Ort liegt direkt unter dem höchsten Berg der Insel, dem schneebedeckten Ben Nevis,
der immerhin 1343 Meter hoch sein soll.
Wir sind aber nicht hinaufgestiegen um nachzumessen. Hier fanden wir auch ein nettes Gästehaus für 18 Pfund pro Person.

Station Ben Nevis Conny & Yamaha vor dem Ben Nevis

Am nächsten Tag ging es weiter Richtung Fort William mit einem kurzen Abstecher zur Ben Nevis Seilbahnstation, die an der
Strecke liegt. Aber da wir an diesem Tag unbedingt noch zum Loch Ness wollten, ersparten wir uns den Besuch der alten
Fort - Anlagen und fuhren zurück Richtung Inverness. Die Landstraße 82 Richtung Loch Ness ist sehr schön und abwechslungsreich.
Direkt am Loch Ness liegt das Urquhart Castle. Von dieser alten Burg aus sollen die meisten Nessisichtungen stattgefunden haben.
Wir hatten, wie wohl die meisten Schottlandbesucher, kein Glück und gaben uns mit den Pappmonstern am Monster - Center
das auf dem weiteren Weg zur Besichtigung anstand, zufrieden.

Conny liebt das Monster von Loch Ness Überall Monster

In einem dieser Monstermuseen schauten wir uns einen Videofilm über die bisherigen Sichtungen an und amüsierten uns über
die Versuche, das Viech mit modernster Technik ausfindig zu machen. Steckt das viele Geld lieber in sinnvollere Projekte
ihr lieben "Forscher" !!


Inverness, der erste Regen und kein B&B zu finden

Nach den Monstersichtigungsversuchen ging unsere Fahrt weiter nach Inverness. Mir geben diese großen Städte nicht viel.
Egal, ob in Deutschland oder anderswo, es ist laut, streßig und ich kann einem Einkaufsbummel nicht allzuviel abgewinnen.
Schon gar nicht, wenn die Preise die gleiche Höhe wie in Deutschland haben, aber mit 3,3 multipliziert werden müßen......
Und das Essen schmeckt bei Mc Donalds auch überall gleich, nur das in Schottland immer Salz an den Pommes fehlt.
Also ging es nach nur kurzem Aufenthalt wieder zurück am Loch Ness vorbei und dann aber über die Landstraße 887 und 87
Richtung Kyle of Lochalsh. Warum wir so früh in die Gegend unserer angemieteten Hütte fuhren, haben wir uns hinterher auch
immer wieder gefragt. Wir hätten von Inverness aus ruhig noch einen Tag lang den "Malt Whiskey Trail" fahren sollen.
Aber nun gut, es lässt sich nicht mehr ändern. Auf jeden Fall waren wir schon am Freitag Abend nur ca. 5 Meilen von
unserem Feriendomizil entfernt, in welches wir aber erst am Samstag um frühestens 16:00 Uhr einziehen konnten. Und auf
dem Weg nach Kyle erwischte uns dann auch der erste Regen.

Warum kommt der eigentlich immer Abends, wenn man schon müde ist und es kühl wird ???

Und warum sind gerade dann keine geeigneten Schlafplätze mehr zu finden ???

Und warum sind auch noch alle Gaststätten gerade dann so voll, daß man keinen Platz mehr bekommt,
wenn man Hunger hat ???

Der Freitagabend wurde streßig. Wir fuhren von Ort zu Ort, oder besser gesagt von Haus zu Haus, aber überall waren die
Zimmer belegt. Es war kalt, es regnete, wir waren müde...
Irgendwann, es war schon ziemlich dunkel, hatten wir dann die Nase voll. Zurück auf der eben gefahrenen Strecke, weg
vom Urlaubsort Kyle an dem an diesen Wochenende wohl alle Schotten aus dem Inland bei B&B übernachteten,
kamen wir in Balmacara an ein altes, wirklich sehr altes und sehr großes Hotel. Ohne lange zu überlegen mieteten wir uns
dort ein. Es gab sogar noch etwas zu Essen. Und es gab Lager. Lager vom Faß.
Was waren wir hinterher voll....

Unser Hotelzimmer in Balmacara

Der nächste Morgen war nicht so besonders schön. Zwar schien wieder die Sonne, aber immer genau auf
meine dicke Birne... Und jetzt merkten wir erst einmal wie alt dieses Hotel schon war und wie alleine wir in
diesem Riesenbau waren. Schon fast unheimlich.
Im riesigen Frühstücksraum saßen wir ganz alleine und da man wohl nicht extra für uns Zwei den ganzen Raum
heizen wollte, stand neben uns ein kleiner elektrischer Heizlüfter. Es war schon fast zum totlachen. Aber das Lachen verging
uns dann schnell, als man uns die Rechnung präsentierte. 25 Pfund pro Person für das Zimmer, dann das Menü und eben
die diversen Getränke vom Vorabend. Den Schock mußten wir erst einmal verdauen.
Also Leute, sucht euch früh genug B&B und landet nicht in irgendwelchen alten unheimlichen Hotels !

Es schien also wieder die Sonne und wir hatten noch bis 16:00 Uhr Zeit. So besuchten wir das ganz in der Nähe
stehende Eileen Donan Castle.

Conny vor Eileen Castle Eileen Castle

Hier wurde der erste Highländer - Film gedreht und man kann, wenn man sich dieses Castle anschaut, auch verstehen warum.
Ein herrliches altes Gemäuer. Im inneren der Burg kann man wirklich schön sehen, wie früher gelebt wurde. Also ein Besuch ist
diese Burg allemal wert. Nur leider galten unsere Explorer Tickets nicht, da das Haus in Privatbesitz ist. Aber es war
den Eintrittspreis wert ! Nach ausgiebiger Burgbesichtigung ging es dann weiter nach Kyle of Lochalsh zum einkaufen, denn wir
mußten uns ja in der Hütte selbst verpflegen.
Am Vorabend hatten wir den Ort auf der Suche nach B&B schon durchquert und dabei ein Coop - Einkaufszentrum gesehen.
Auf dem Parkplatz am Laden angekommen hatten wir ein nettes Erlebnis. Wir wurden von einem jungen Schotten angesprochen
der neben uns parkte. Welch ein Zufall, er hatte eine Frau aus Gevelsberg geheiratet und lebte jetzt mit Ihr hier in
Kyle. Leider war die junge Frau nicht dabei. Ich glaube, es hätte etwas zu lachen gegeben, wenn wir uns gekannt und
hier getroffen hätten. Viele Grüße nochmal an die jetzige Schottin aus Ihrer Heimatstadt. Der Einkauf verlief dann wie erwartet.
Teuer, einfach nur teuer. Also ab damit zur Hütte.


Unsere Hütte in der Nähe von Kyle of Lochalsh

Hier standen wir nun. Es war erst 13:00 Uhr. Also 3 Stunden zu früh. Und eine Rezeption war auf dem Gelände nicht zu finden.
So standen wir dumm an einer leeren Hütte und warteten.


Eine der Hütten auf dem Gelände Wir warten auf Einlaß

Aber es kam niemand der sich um uns kümmerte. Und es gab auch wirklich keinen einzigen Hinweis auf eine Rezeption ?
Stunden später erschienen auf dem Platz glücklicherweise andere Gäste, die schon eine Woche hier verbracht hatten und uns
weiterhalfen. Es war doch ganz einfach. In einer der anderen Hütten war die Rezeption. Also, einfach nur anklopfen und sich den
Schlüssel geben lassen. Woher soll man so etwas auch wissen, ohne die notwendigen Hinweisschilder ?
Eine junge Frau öffnete nach mehrmaligen klopfen verschlafen die Tür. Diese Glöcknerin von Nottre Dame, so nannte meine
Frau das Mädchen, entschuldigte sich sofort bei uns. Sie hätte am Vorabend eine kleine Feier gehabt, ein wenig zu viel getrunken
und deswegen eben verschlafen...
Aber Mädchen, wir hatten am letzten Abend auch einen im Schoß und waren trotzdem pünktlich an der Hütte !
Aber egal, wir hatten endlich den Schlüssel zu unserer Bleibe und waren damit auch sehr zufrieden. Die Einrichtung lies nichts zu
wünschen übrig. Die Räume waren schön, sauber und für 2 Personen sehr sehr groß. Eigentlich war das Haus ja auch für 4 Personen
gedacht. Es gab sogar eine Badewanne.
Toll, wenn man von längeren Touren bei Regen und kaltem Wind kommt und erst einmal ein Bad nehmen kann !

Das Badezimmer..................... ....................Die Küche

Das Wohnzimmer

Wir waren zufrieden und ärgerten uns nicht mehr über den, durch das Warten, verschenkten Urlaubstag. Meine liebe Frau
machte uns erst einmal etwas vernünftiges zu Essen. Schon eine Wohltat nach einer Woche Fastfood. Die Koffer
und das Topcase wurden geleert und wir fuhren noch einmal nach Kyle zum Großeinkauf. Die erste Nacht in der Hütte war toll.
Die Anlage lag so abgelegen, daß man außer den Vögeln draußen nichts, aber auch gar nichts, hörte. Absolute Ruhe.
Das gefiel uns. Wir hatten ein zusätzliches leeres Zimmer in dem wir unser Gepäck stapeln konnten. Wir hatten eine Badewanne, einen
Fernseher mit ganzen 4 Programmen und einen Videorecorder ohne Bänder... (dafür hätten wir lieber eine Satellitenschüssel gehabt).
Aber was braucht man mehr ? Und dann kam das Beste. Ich konnte am Sonntag sogar das Formel 1 Rennen in Monaco sehen.
Zwar mit englischem Kommentar, aber
das Gequatsche ist ja meist eh nicht so Interessant. Und dann gewann Schummi auch noch. Der Sonntag war ein voller Erfolg.
Noch ein Stück zu fahren hatten wir nach dem Rennen keine Lust mehr, also erkundeten wir die Gegend eben ein wenig zu Fuß.

Minirind ...... Mutter oder Vaterrind ?

Conny versucht eine Unterhaltung aufzubauen

Die einzigen Einheimischen die wir trafen waren sehr nett, nur leider nicht sehr gesprächig.
Meine Frau versuchte verzweifelt eine Unterhaltung anzufangen, bekam aber außer einem Muh keine vernünftige Antwort.
Vielleicht verstehen die Rindviecher auch kein Deutsch sondern nur schottisch oder vielleicht auch nur gälisch ?
Keine Ahnung. Die hier zu sehenden Hochlandrinder und auch die Schafe in Schottland laufen teilweise frei herum. Das ist
zwar sehr lustig wenn man zu Fuß unterwegs ist, kann aber äußerst unangenehm werden wenn man mit dem Moped
um die Ecke kommt und plötzlich eines dieser Tiere vor einem steht.
Also Leute, vorsichtig fahren in England und Schottland !
So ein Rind, mit seinen Hörnern, ist schon ein mächtiges Hindernis wenn man zu schnell ist und deshalb
der Bremsweg zu lang.


Die Woche in unserer Hütte und Ausflüge zur Insel Skye

Die zweite Nacht in unserer Hütte verging und am Montag wollten wir so langsam anfangen die Gegend zu erkunden.
Da von Kyle of Lochalsh aus eine Brücke zur Insel Skye hinüberführt, fuhren wir dort hinüber auf die Insel. Die Brückengebühr
von 2,90 Pfund für eine Überquerung schockte uns schon gar nicht mehr. Was sind schon 9,60 DM (= 4,91 EUR) für geschätzte
600 Meter Fahrt auf einer schönen Brücke ?

Die Brücke zur Insel Skye

Der erste Weg führte uns nach Portree. Ein schöner Ort für eine kurze Pause. Dann weiter zur ersten wirklichen
Sehenswürdigkeit, den in der Landschaft hochaufragenden Stein "Old Man of Storr". Hinzuwandern hatten wir in
unseren Regenkombis (es war kühl geworden und tröpfelte ab und zu) allerdings
keine Lust. Also weiter zum Aussichtspunkt "Kilt Rock". Hier gab es eine, steil zum Meer hin abfallende,
Küste zu sehen. Toll !

Aussichtspunkt Kilt Rock

Und weiter zum "Skye Museum" am obersten Punkt der Insel.
Eine kleine Hüttensiedlung. In den Hütten kann man die verschiedensten Werkzeuge der alten Insulaner
bewundern. Alte Fotos von ehemaligen Einwohnern und alte Zeitungsausschnitte waren z.B. auch sehr interessant.
Hier kann man gut sehen, wie hart das Leben der Inselbewohner früher war.

In einer der Hütten im Skye Museum ........... Das Skye Museum

Conny vor dem Skye Museum

Schon ein interessanter Ort. Wenn man Skye besucht, sollte man sich dieses Museum nicht entgehen lassen.
Auf unserer weiteren Fahrt erwischte uns am späten Nachmittag der Regen. Kein Schauer, nein, ein anhaltender, ekeliger
kalter Regen. Und dazu passend der Wind. Wir erreichten schon
bei Geradeausfahrt erstaunliche Schräglagen. Also runter von der halb erkundeten Insel und zurück in unsere warme trockene
Blockhütte in Duirinish. Jetzt kam die Badewanne zur Geltung. Es tat schon sehr gut nach der Regenfahrt auf Skye im warmen
Wasser zu liegen. Nach dem Abendessen ging es auch zeitig zu Bett. Der Regen hatte inzwischen aufgehört,
aber es war lausig kalt geworden.

Am nächsten Morgen, es war immer noch kalt aber wieder trocken, fuhren wir für 2,90 Pfund zum zweiten mal über die
Brücke nach Skye. Wir hatten auf unserer ADAC - Karte eine Fährverbindung von der Insel zurück zum Festland entdeckt,
und diese Fähre wollten wir auf dem Rückweg benutzen. Wir besuchten also ein weiteres mal Skye und waren von der
Landschaft auf der Insel begeistert. Von Broadford aus führt eine kleine Straße Richtung Armadale.
Hier steht das Mc Donald Besucherzentrum. Ein kleines Museum indem man etwas zur Geschichte der Insel und
der alten schottischen Clan´s erfährt.

Mc Donald Museum auf Skye .............. Zigarettendrehen will geübt sein

Connys erste Selbstgedrehte

Hinter dem Museum kann man in einer sehr schönen Parkanlage wunderbar spazieren gehen und die dort aufgestellten
Bänke laden zu einer kleinen Zigarettenpause ein. Apropo Zigaretten. An alle rauchenden UK - Besucher :

Nehmt Euch Zigaretten von Deutschland oder Holland mit. Zigaretten sind in England und
Schottland kaum zu bezahlen ! Zwischen 9 und 14 DM (= 4,60 - 7,16 EUR) pro Schachtel sind hier völlig normal.
Wir hatten zum Glück aus Holland 2 Päckchen Tabak mitgenommen, aber mußten in den letzten Urlaubstagen
auch noch vor Ort einkaufen. Scheiß teure Sucht kann man da nur sagen.....

Von Armadale - Fährhafen nahmen wir uns ein Prospekt der Fährverbindung nach Mallaig mit. Wir hatten beschlossen,
am letzten Tag mit dieser Fähre von Skye aus unsere Heimreise anzutreten da der ADAC diese Strecke als besonders schön
bezeichnet. Dann ging es aber zurück zur kleinen Fähre die
von Kylerhea nach Gleneig herüberfährt. Der Weg zur Fähre ist schon ein Erlebnis. Eine sehr schmale Straße
führt durch die Berge hinab zum "Sound of Slea".

Der Sound of Slea .................... Die kleine Fähre

Diese Meereseinbuchtung ist sehr interessant. Hier leben viele Fischotter die man von der Fähre und vom Anlegeplatz
aus sehr schön beobachten kann.

Die kleine Fähre nach Gleneig .................... Auf der kleinen Fähre von Skye nach Gleneig

Der Preis von 3 Pfund für diese Verbindung zum Festland erschien uns gegenüber der Brückengebühr
von 2,90 Pfund angemessen. Eine Fahrt über die mit Fischottern gefüllte Bucht des "Sound of Slea" macht Spaß.
Dann ging es von Gleneig weiter nach Shiel Bridge. In diesem Ort hatten
wir schon einmal auf dem Weg zur Hütte Pause gemacht und meine Conny hatte sich dort mit einem Pferd angefreundet.
Die Wiedersehensfreude des Tieres war dann auch sehr deutlich zu sehen.....

Wildes Pferd

Etwas, aber wirklich nur etwas neidisch, drängte ich zur schnellen Weiterfahrt zurück in unsere Hütte.



Ullapool und die Gegend um Gairloch

Die nächste Tour führte uns zum nördlichsten Punkt unserer Reise hoch nach Ullapool. Ein kleines malerisches
Fischerdörfchen. Auf dem Weg dorthin besuchten wir noch den Wasserfall in der Nähe von Inverlael. Und zurück
befuhren wir die Strecke an der Küste entlang Richtung Gairloch.

Vor einem hübschen Cafe in Gairloch

Hier macht sich der warme Golfstrom bemerkbar. Man trifft immer wieder auf schöne Sandstrände und blühende Gärten,
die einen bei warmen Wetter zu einem Aufenthalt locken würden.
Nur leider erwischte uns mal wieder der Regen. Zwar nicht ganz so schlimm wie auf Skye zwei Tage vorher,
aber es reichte um die fast 360 km lange Rundreise ein wenig zu beschleunigen. Abends tobte dann ein heftiger Sturm
um unsere Hütte herum, aber wir waren nach der Marathontour wieder in die Badewanne gestiegen und nun konnte uns
das Wetter egal sein. Nach den ersten Tagen in denen wir teilweise richtig ins schwitzen kamen, war es nun vorbei mit
dem guten Wetter. An unserem letzten Hüttentag trauten wir uns kaum vor die Tür, so regnete und stürmte es.

Yamaha im Sturm

Wir waren froh, daß wir die letzten Tage genutzt hatten, um uns die Gegend um Kyle of Localsh herum anzusehen.
Viel Sehenswertes war auch nicht übrig geblieben. Der Freitag verging als Regentag, mit dem man in Schottland natürlich
immer mal rechnen muß. Aber wir mußten ja sowieso zusammenpacken, da wir am Samstagmorgen die Hütte verlassen
sollten und es wieder Richtung Hull ging. Ein kleiner Tipp noch. Wenn man sich mehr für die Schlösser und Burgen
in Schottland interessiert, ist die Gegend um Kyle herum der falsche Ort für einen längeren Aufenthalt.
Hier in dieser Gegend gibt es so etwas nicht häufig zu sehen. Wir würden also bei einer neuen Schottlandtour eine Hütte
in der Nähe von Inverness oder Aberdeen nehmen. In diesem Gebiet liegen wohl die meisten Sehenswürdigkeiten
für die auch das Explorer Ticket gilt.


Die Rückreise und die letzten Tage in England

Am Samstag ging es dann frühmorgens an die nächste Tankstelle und von dort aus über die schon oft erwähnte
Brücke rüber auf die Insel Skye. Die Spritpreise in Schottland schockten uns mit ca. 0,80 Pfund im Schnitt nicht mehr so sehr,
da die Preise in Deutschland in den letzten Wochen auch auf über 2,10 DM (= 1,07 EUR) angestiegen waren und wir mit der
Diversion auf einen Durchschnittsverbrauch von knapp 5,5 Litern auf 100 Kilometer kamen.

Tankstelle ................. Zapfsäule

Wir hatten mal wieder unverschämtes Glück mit dem Wetter. Nachdem es am Freitag den ganzen Tag geregnet hatte
und wir für die Rückreise schon mit dem Schlimmsten rechnen mußten, blieb es am Samstag trocken.
Und später in Glasgow wurde es sogar so warm, daß wir unsere Regenkombis auszogen. Aber zunächst ging es
nach dem Tankstop nach Armadale auf Skye. Von hier aus fährt eine Fähre für 13,40 Pfund
(Motorrad und 2 Personen) rüber nach Mallaig.

Die Fähre von der Insel Skye nach Mallaig

Wie schon erwähnt, wählten wir diesen Weg, weil unser ADAC - Reiseführer die Strecke von Mallaig nach
Fort William als wunderschön und abwechslungsreich beschrieb. Naja, da wir an diesem Tag noch mindestens bis
hinter Glasgow kommen wollten, hatten wir nicht die Zeit uns die Gegend näher anzusehen.
Das einzige was uns auffiel, war ein an Land liegendes altes Schiff in dem ein Nomade unter einer Plane haust.
Dieser Kerl drohte uns, als meine Frau Ihm zuwinkte, mit einem Messer ! Wir wünschen Dir, lieber Nomade, daß
Dir in dem Boot der Hintern abfriert. Du Vollidiot !
Übrigens wird dieser Spinner sogar vom ADAC im "Schottland Tour - Set" beschrieben. Also eine echte
schottische Sehenswürdigkeit !

Nach dieser Begegnung der besonderen Art, ging es weiter an Fort Williams vorbei Richtung Schlachtfeld Glencoe in
die Berge und wieder runter zum Ort Tyndrum. Eine einmalige Strecke da oben in den Bergen.
Nur leider hatten wir Wochenende und die Straße war total überfüllt. Wir überholten alles was es zu überholen gibt.
Das Glück eines Motorradfahrers ist ja die Möglichkeit an Wohnwagengespannen und langsamen PKW´s
vorbeifliegen zu können. Wir machten reichlich Gebrauch davon. In Tyndrum, an einer der oft in Schottland
anzutreffenden "Little Chef" Raststätten machten wir unsere Mittagspause.

Little Chef Restaurant ............... Conny frisch gestärkt

Diese Lokale haben, wie früher in Spanien üblich, bebilderte Speisekarten. Man kann sich sein Essen vorher ansehen
und bekommt auch meistens genau das was man bestellt hat. Die Preise liegen im erträglichen Rahmen und man kann
sogar mit der EuroCard bezahlen, falls das Bargeld, wie uns passiert, knapp wird. Auf eine Eigenart in Speiselokalen
in GB möchte ich noch hinweisen. Man wartet immer am Eingang bis man vom Personal einen Platz im Lokal angewiesen bekommt.
Die "Little Chef" Kette hat den Vorteil, daß man hier auch Raucherplätze findet, eine Seltenheit in GB.

Frisch gestärkt ging es weiter nach Glasgow. Ich kann große Städte wie schon beschrieben nicht leiden, und deshalb tankte ich
dort nur und machte dann einen Bogen um diesen Ort herum. Nach diesem Tankstop bekam ich auch das erste und Gott sei
Dank einzige Mal ein wenig Ärger mit unserer Yamaha.
Im unteren Drehzahlbereich schüttelte sich die Kiste und zog erst im oberen Drehzahlbereich wieder sauber durch.
Vielleicht lag es am Sprit, oder aber, wie mein Yamahaverkäufer später meinte, an der Feuchtigkeit der die Mühle ja am
Vortag durch den Regen ausgesetzt war. Auf jeden Fall war es das einzige
Problem mit der 900´er Diversion auf der ganzen Reise. Und am nächsten Tag war dieser kleine Husten auch wieder vorbei.
Ist schon eine tolle und bequeme Reisemaschine.

Wir bogen also hinter Glasgow wieder ab Richtung Küste. Über Kilmarnock, Ayr, Girvan bis Newton Stewart. In Ayr
gibt es einen schönen langen Sandstrand, aber wir suchten wegen dem wieder stärker werdenden starken Wind lieber eine
Bleibe im Landesinneren. Für 22 Pfund B&B pro Person und Nacht blieben wir also in Newton - Stewart. Nichts Besonderes
der Ort, aber wir wollten nach der langen Strecke ja auch nur einfach essen, duschen und dann schlafen. Das Essen war der
größte Reinfall den wir bisher erlebten. Fritierte Pizza ist und bleibt ein Genuß ;-)
Am nächsten Tag ging es weiter nach Dumfries. Hier gab es gerade einen Trödelmarkt und ich kaufte mir einen Spanngurt
zum festzurren der Maschine auf der Fähre nach Rotterdam. Die Seile die dort bereitlagen waren mir einfach zu dumm.
Weiter ging es zum weltberühmten Hochzeitsort Gretna Green. Hier heirateten früher in einer alten Schmiede junge Leute,
die noch nicht alt genug waren um in ein normales Standesamt zu gehen. Oder aber deren Eltern
etwas gegen eine Hochzeit hatten. Heute ist das heiraten für zu junge Leute nicht mehr möglich, aber man kann sich scheinbar
in dem Schmiedehaus noch trauen lassen. Zumindestens hatten wir das Glück dort ein Hochzeitspaar zu erleben.
Oder wir das Spektakel extra für die Touristen organisiert ?

Hochzeit in Gretna Green...Hochzeitsgäste in Gretna Green

Eine Hochzeitsfeier vor hunderten Touristen, reine Geschmacksache. Auf jeden Fall gibt es in Gretna Green ein sehr leckeres Eis
welches wir uns schmecken ließen. Verheiratet sind wir ja auch schon.
Dort sahen und hörten wir auch den einzigen auf unserer Schottlandreise angetroffenen Dudelsackspieler im Kilt. Leider spielte
er nur sehr sehr kurz. Die Schotten sollen ja geizig sein, er geizte jedenfalls mit seinem Spiel sehr !

Eis in Gretna Green



Bescheuerte Rennfahrer und die letzten Tage in England

Die weitere Fahrt führte uns auf die Autobahn 6 Richtung Liverpool. Wir wollten ja unbedingt noch ins Beatles Museum.
Die Autobahn verließen wir aber vor Lancaster wieder, um noch ein wenig ins Landesinnere durch den Yorkshire
Dales Nationalpark zu fahren. Von Tebay über Newbiggin nach Sedbergh ging es über wunderschöne
Motorradstrecken weiter. Einige Pseudorennfahrer auf Ihren plastikverkleideten Rennmaschinen überholten uns
hier wie die Wilden. Ich habe ja nichts gegen schnelles Fahren, aber es will schon gekonnt sein und einer dieser Helden
konnte es eben nicht besonders gut. Plötzlich wurden wir von entgegenkommenden Mopedfahrern gewarnt langsamer
zu fahren und einige Meilen weiter stand dann ein Warnschild der Polizei mitten auf der Straße. Es hatte einen
Kollegen böse erwischt. Seine in Einzelteile zerlegte R1 lag an einer Mauer verstreut.
Der "Rennfahrer" war aber wohl schon abtransportiert worden, jedenfalls lag nur noch ein leerer Helm am Straßenrand.
Zügig fuhren wir am Unfallort
vorbei und machten einige Meilen dahinter erst einmal Rast in einem kleinen Cafe in Sedbergh.
Leute, übertreibt es doch nicht immer so mit der Raserei !!
Wir hoffen der Junge hat diesen Horrorcrash überlebt und wünschen Ihm von hier aus gute Besserung. Uns hat der Unfall
jedenfalls geschockt und die weitere Fahrt Richtung Kendal verlief dann auch wesentlich ruhiger und gelassener als
noch ein paar Stunden zuvor.

In Kendal kam dann der nächste B&B Halt. In einer gemütlichen Pension bei einer sehr netten lustigen Frau
verbrachten wir die Nacht.

Unser Zimmer direkt an der Hauptstraße in Kendal ............. Kendal, ein schöner Ort

Vorher gab es aber ein "zünftiges" Essen aus einer Dönerbude und einige Pints (0,56 Liter) Lager vom Faß in
einem der vielen Pubs in Kendal.

Conny stärkt sich mit einem türkischen Döner

Die Nacht war eher unruhig, da unsere Zimmerfenster direkt zur Hauptstraße hin lagen. Frühmorgens wurden wir wach
und warteten auf das Frühstück. Da der Himmel versprach uns Sonne zu bringen, gaben wir unseren eigentlichen Plan,
nach Liverpool zu fahren auf und es ging nach dem Frühstück weiter
wieder zurück zur Ostküste. Hier hatte uns der kleine Ort Filey, der direkt am Meer liegt, sehr gut gefallen, so daß wir
beschlossen unsere letzte Nacht dort zu verbringen. Auf dem Weg dahin überfiel uns Beide die Müdigkeit. Die letzte
Nacht war ja auch wie beschrieben sehr kurz und ziemlich schlaflos verlaufen.
Und so kam das Erste und Einzige Mal unser kleines mitgeschlepptes Zelt zur Geltung. Abseits aller Hauptstraßen
in einer ruhigen Wiese in der Nähe von Pickering bauten wir die Riesenbleibe auf.

Unsere Diversion vor dem kleinen Zelt ........................ Zelten in absoluter Ruhe irgendwo in den Wiesen. Toll !

Ungestört schliefen wir geschlagene drei Stunden. Eine himmlische Ruhe in dieser Gegend, nur einmal unterbrochen von
einer alten Militärmaschine die über unser Zelt donnerte und die wir später beobachteten wie sie ihre Loopings
am Himmel drehte. Der Pilot übte wohl für eine Flugshow.

Eine geweckte Blondine im Zelt ......................... Rein in die enge Lederhose

Ausgeruht und wieder in die Lederhose gestiegen, packten wir unser Minizelt zusammen und es ging weiter die
letzten Meilen Richtung Filey.

Am späten Nachmittag erreichten wir dann diesen sehr schönen Küstenort. Direkt am Wasser genehmigten wir uns
ein Stück sehr leckeren Kuchen in einem der vielen Strandcafes. Übrigens bekommt man in GB sehr leckeres Gebäck,
ganz im krassen Kontrast zur nicht so guten warmen Küche.

Ein Cafe in Filey .................... Unsere vollbepackte Yamaha an der sonnenüberfluteten Strandpromenade von Filey

Es war wirklich wieder sehr warm und schön geworden. Genau wie in unseren ersten Tagen als wir die Ostküste hinauffuhren.
Und so verbrachten wir einige Stunden an der Strandpromenade. Um ca. 20:00 Uhr gingen wir dann auf die B&B - Suche.
Wir hatten auch Glück. Für 19 Pfund pro Person quartierten wir uns in dem wohl schönsten Zimmer auf unserer Rundreise ein.
Die kleine Pension wurde von zwei sehr netten Herrschaften geführt und wir mußten herzlich lachen als der Herr des Hauses
uns nach dem duschen und umziehen ganz überrascht ansah und meinte wir würden ja
plötzlich ganz anders aussehen ohne unsere Motorradkluft.

B&B - Haus Athol in Filey. Nur zu empfehlen !

Also Leute, falls Ihr einmal nach Filey kommt, können wir Euch das Athol - Gasthaus nur sehr empfehlen.
Wunderschöne große Zimmer bei sehr netten Gastgebern die sogar die Garage für das Motorrad freiräumen. Nur sucht Anfang
Juni nach 21:00 Uhr in diesem Ort kein Speiselokal mehr in dem Ihr mit der Karte bezahlen könnt. Vergeßt es.
Conny und Ich sind sehr hungrig zu Bett gegangen nachdem wir ganz Filey nach einem Lokal
abgegrast hatten und haben an diesem Abend nur von einem Keks gelebt der, wie auch eine Kaffemaschine,
zur Serienausstattung aller britischen Nachtlager gehört. Wir hatten nicht mehr genug Bargeld....
Aber die Diät tat uns Beiden auch mal ganz gut und das Frühstück am nächsten Morgen schmeckte uns um so besser !


Der letzte Tag und der Hafen von Kingston upon - Hull

Die letzten paar Meilen nach Hull waren schnell erledigt. Wir waren schon sehr früh vor Ort und liefen ein wenig
durch die Haupteinkaufsstraße dieser Hafenstadt. Nicht besonders zu empfehlen. Also raus aus diesem Gewühl
nachdem wir uns an einem Bankautomaten noch mit etwas Bargeld eingedeckt hatten und ab in den nächsten Nachbarort Hudon.
Das King - Georg Dock von dem aus die P&O - Fähre Richtung Rotterdam fährt, liegt
direkt am Weg. Wir fanden noch ein nettes Gartenlokal und vertrieben uns dort die Zeit bis wir zur Fähre mußten.

Das letzte englische Essen in einem kleinen Ort hinter Hull ............. Conny freut sich sichtlich wieder auf die deutsche Küche

Dann um ca. 15:00 Uhr ging es ab in den großen, gut zu erreichenden Fährhafen. Immer schön an die Beschilderung zum
King Georg Dock halten. Die große Fähre stand schon am Kai und wartete auf Ihre Gäste.

Das King Georg Dock mit der Fähre am Kai

Es standen schon einige Motorradfahrer, auch Deutsche, auf dem Gelände. Bei Gesprächen über die Erlebnisse
auf der Insel vergingen die Stunden des Wartens auf Einlaß in das Schiff. Jeder hatte etwas zu erzählen. Einige waren,
trotz des wegen der Maul und Klauenseuche abgesagten Rennens, auf der Isle of Man.
Ich glaube diese Tour müßen wir auch einmal machen.

Motorradfahrer beim Erlebnisaustausch im Hafen von Hull

Und irgendwann, nach unzähligen LKW´s, Bussen, Containern und PKW´s durften wir dann auch in den Bauch der Fähre.
Das verzurren unserer Yamaha klappte dank des Spanngurtes auch viel besser und es ging hinauf in unsere Kabine.
Die Rückreise über Nacht verging genauso ruhig wie die Hintour. Die letzen Pfund wurden in einige Bierchen umgesetzt
und dann ging es ab in die Koje. Sanft in den Schlaf geschaukelt wachten wir am nächsten Morgen in den
Niederlanden auf. Nach dem Frühstück ging es unter Deck, die Maschinen wurden befreit und die holländische Autobahn
erwartete uns. Schnell an der nächsten Autobahnraststätte ein paar "billige" Zigaretten eingekauft und flott weiter
Richtung Deutschland. Es lief alles, wie eigentlich auf der ganzen Reise, wie am Schnürchen. Unsere Eltern erwarteten uns
mit leckerem Kartoffelsalat und Würstchen und schickten uns dann erst einmal nach Hause in die Badewanne.

Schwiegermutter behauptet ich hätte gerochen......

Komisch, wir haben überhaupt nicht gemerkt, daß wir und unsere 2 Wochen benutzten Klamotten angefangen hatten zu riechen.....


Fazit der Schottlandreise

Ein Muß für jeden Motorradfahrer !

Selbst als Anfänger bei guter Vorbereitung zu bewältigen. Die Menschen in GB sind sehr nett und immer hilfsbereit.
Auch mit nur sehr begrenztem Sprachschatz kommt man überall weiter. Die Briten geben sich alle erdenkliche Mühe
einen zu verstehen. Der ADAC ist als Reisebüro für Schottlandtouristen sehr zu empfehlen. Das Tour - Paket und die
Karten beschreiben die Sehenswürdigkeiten sehr gut. Man sollte nur noch eine detailreichere Karte mitnehmen,
da die kleinen Straßen und Orte in den groben ADAC - Karten nicht auftauchen.

GB ist teuer !

Der ungünstige Kurs macht das Leben für uns Deutsche fast unerschwinglich. Sparen kann man zwar wenn man mit
Zelt unterwegs ist, aber zu Zweit auf einem Motorrad ist der Platz dafür einfach zu begrenzt. Und B&B ohne eigene
Dusche und ohne ein wenig Komfort ist nichts für Jedermann. Viel sparen kann man als Nichtraucher
oder wenn man sich mit genügend Rauchwaren eindeckt. Über 10 DM (= 5,11 EUR) für eine Schachtel Zigaretten
ist schon ein Hammer.

Die Strecken und weitere Tipps

Die von uns ausgesuchte Strecke war abwechslungsreich und hat eine Menge Spaß gemacht. Allerdings sollte man,
wenn man ein Explorer - Ticket gekauft hat und wert auf die Besichtigung aller Sehenswürdigkeiten legt,
seine feste Bleibe lieber in die Nähe von Edinburg legen oder eben nur B&B nutzen und von Ort zu Ort fahren.
Der Straßenzustand in GB ist generell sehr gut, es gibt wohl kein "Ostschottland" ;-)
Allerdings ist der Belag etwas rauher als in Deutschland und deswegen der Reifenverschleiß auch höher.
Uns hat die Reise unheimlich viel Spaß gemacht. Das Wetter war wesentlich besser als erwartet,
die 900 ´er Yamaha Diversion lief wie am Schnürchen und alle unsere Befürchtungen haben sich nicht bestätigt.
Die Insel ist wirklich, gerade für Motorradfahrer, eine Reise wert und wir wünschen
Allen die nach uns dorthin reisen, genauso viel Glück, wie wir es hatten.

Viel Spaß !


Falls Ihr noch weitere Fragen habt, meldet Euch einfach per E-Mail bei uns.


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